- Der Eingang der Tiger-Anlage im Sckeuditzer Ortsteil Dölzig.
War die Tiger-Haltung in Dölzig schon vor dem Angriff illegal?
Nach dem Angriff eines Tigers im nordsächsischen Dölzig (Ortsteil von Sckeuditz) wird ein Haltungsverbot für die bekannte Besitzerin Carmen Zander (52) diskutiert. Ihr größtes Tier Sandokan (300 Kilo) hatte am Sonntag in ihrer Abwesenheit einen erfahrenen Helfer (72) lebensgefährlich verletzt, war dann ausgebrochen und schließlich einige Hundert Meter weiter von der Polizei erschossen worden.
Gehege zu klein für die Tiger
Die Haltung war aber offenbar schon vorher illegal. Denn laut Veterinäramt sei die Dompteurin bereits vor dem Angriff aufgefordert worden, mehr Platz für die jetzt noch acht Tiger zu schaffen. Gesetzlich vorgeschrieben seien pro Tier mindestens 100 Quadratmeter außen und 20 Quadratmeter innen. Das wurde zuletzt nicht mehr erfüllt, heißt es aus dem Amt. Alternativ hätte sie die Frau die Zahl ihrer Tiere verringern müssen.
Was bisher zum Angriff bekannt ist
Der Senior half der Frau offenbar regelmäßig bei der Versorgung der Raubkatzen. Zum Zeitpunkt des Angriffes war er allein in der Anlage. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass er bisher noch nicht vernommen werden konnte. Deshalb ist bisher auch nicht viel über den genauen Ablauf bekannt. Also ob er einen Fehler machte oder was zu dem Angriff führte. Polizisten mit Gewehren erlegten das Tier später, da die Gefahr bestand, dass er weitere Menschen angreift.
Warum wurde der Dompteurin die private Haltung noch nicht verboten?
Das sei eine rechtlich ganz schwierige Geschichte, heißt es dazu aus dem nordsächsischen Landratsamt. Auch, weil sich die Halterin natürlich mit allen rechtlichen Möglichkeiten dagegen wehre. Das Gehege ist vor etwa 10 Jahren angelegt worden. Damals sei die Frau noch regelmäßig mit den Tieren aufgetreten. Was anfangs nur als Winterquartier geplant gewesen sei, wurde seit Corona und gesetzlichen Änderungen für Raubtierhaltung allerdings zur Dauerlösung.
„Das Landratsamt arbeitet seit geraumer Zeit daran, die Haltungssituation der Tiger in Dölzig zu verbessern“, erklärt Steffen Fleischer, Dezernent für Ordnung und Kommunales. Dabei würden als gesetzliche Grundlage die Vorgauben des sogenannten Säugetiergutachtens zugrunde liegen.
Staatsanwalt ermittelt wegen mutmaßlicher Straftat gegen die Dompteurin
Derweil hat die Leipziger Staatsanwaltschaft gegen die 52-Jährige ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen eingeleitet. „Noch am Sonntag kam es auf Anordnung des Bereitschaftsrichters auf dem Gelände in Dölzig unter anderem zu Durchsuchungsmaßnahmen der Ermittlungsbehörden, die bis in die Nacht hinein dauerten“, so eine Sprecherin.
Der konkrete Ablauf des Geschehens sei bei den Ermittlungen entscheidend. „Zu klären ist ebenfalls, ob gegen etwaige Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde.“
Das sagt die Halterin
„Ich muss funktionieren, gerade jetzt für meine Tiere da sein“, sagt die Frau vor laufenden Kameras. Der Kollege habe die Tiere nur versorgen, aber nicht rauslassen dürfen. Einer Schuld sei sich sich nicht bewusst, alle Helfer seien genau instruiert. „Ich verstehe nicht, was hier passiert ist.“ Die Anlage sei sehr sicher und werde regelmäßig von den Behörden überprüft. Sie hofft nun, dass der 72-Jährige schnell gesund wird. Nur er könne den Fall letztendlich aufklären und sie entlasten.
