- Pese und Julia am Samstag, kurz vor der Premiere am Samstag.
Willst du mit uns gehen? - Spazierclub Leipzig startet
Mehr als 500 Anmeldungen innerhalb weniger Tage, rund 150 Teilnehmer trotz Dauerregens und zahlreiche neue Bekanntschaften: Der erste Spazierclub Leipzig hat einen Nerv getroffen. Hinter dem Format stehen die Leipziger Julia Barabasch und Pascal „Pese“ Oetken, die Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen wollen – ganz ohne Leistungsdruck.
Als sich die ersten Teilnehmer am Samstagmittag vor dem Good Day Café im Leipziger Westen versammeln, regnet es in Strömen. Trotzdem füllt sich der Platz schnell. Viele kommen allein, manche zu zweit. Die meisten kennen niemanden. Doch genau das verbindet sie.
Der Spazierclub Leipzig ist ein neues Community-Format, das Menschen zusammenbringen soll. Statt sportlicher Höchstleistungen oder Vereinsstrukturen stehen Begegnungen, Gespräche und neue Kontakte im Mittelpunkt.
Eine Idee aus Berlin kommt nach Leipzig
Die Idee stammt ursprünglich nicht aus Leipzig. Inspiriert wurden die Organisatoren vom Spazierclub Berlin, mit dessen Gründern sie bis heute in Kontakt stehen.
„Wir haben das Konzept nicht erfunden, sondern bewusst nach Leipzig geholt“, erklärt Pese. Der 26-Jährige arbeitet als Foto- und Videograf in Leipzig. Gemeinsam mit der 25-jährigen Psychologiestudentin und Content Creatorin Julia organisiert er die Spaziergänge.
Kennengelernt haben sich die beiden online. Nach ihrem ersten Date rief Pese seine heutige Mitstreiterin an und erzählte ihr von der Idee, einen Spazierclub in Leipzig aufzubauen. „Ich war sofort dabei“, erinnert sich Julia.
Gegen Einsamkeit in einer digitalen Welt
Die Motivation hinter dem Projekt ist für beide eine sehr persönliche. In Zeiten von Social Media und ständiger digitaler Erreichbarkeit würden sich viele Menschen zunehmend isoliert fühlen.
„Wir haben das Gefühl, dass Menschen vereinsamen, obwohl sie ständig miteinander verbunden sind“, sagt Julia. Echte Begegnungen kämen oft zu kurz.
Der Spazierclub soll deshalb einen einfachen Rahmen schaffen, in dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Ohne Mitgliedschaft, ohne Verpflichtungen und ohne Erwartungen.
„Es ist schön zu sehen, dass Menschen wieder menschlich sein wollen“, sagt Pese.
Niedrige Hürde statt Leistungsdruck
Während Laufgruppen und Running Clubs in vielen Städten boomen, sehen die Organisatoren dort für viele Menschen eine Hemmschwelle.
„Für einen Running Club braucht man oft eine gewisse Fitness, passende Ausrüstung oder zumindest das Gefühl, mithalten zu können“, sagt Julia. Beim Spazierclub sei das anders. Hier könne jeder mitmachen.
Viele Teilnehmer hätten vor dem ersten Treffen Sorge gehabt, zu alt, zu unfit oder allein zu sein. Doch genau diese Ängste hätten sich schnell aufgelöst.
„Alle sind aus demselben Grund da“, sagt Julia. „Man muss sich einmal überwinden, danach ist es ein Selbstläufer.“
Riesiger Andrang zum Auftakt
Mit der Resonanz hatten die beiden nicht gerechnet. Innerhalb weniger Tage meldeten sich mehr als 500 Menschen für die Premiere an. Aus organisatorischen Gründen mussten die Plätze auf 250 begrenzt werden.
Trotz Regen erschienen schließlich rund 150 Teilnehmer.
Während des etwa sieben Kilometer langen Spaziergangs durch den Leipziger Westen entstanden immer wieder neue Gesprächsgruppen. Telefonnummern wurden ausgetauscht, gemeinsame Interessen entdeckt und neue Kontakte geknüpft.
Besonders gefreut habe die Organisatoren, dass viele Teilnehmer auch nach dem offiziellen Ende noch zusammenblieben.
„Es haben sich ganz viele neue Gruppen gebildet. Einige sind danach noch gemeinsam essen gegangen oder weitergezogen“, erzählt Julia.
Gemeinschaft statt Kommerz
Die Teilnahme am Spazierclub ist kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über einen Link, der vorab über Instagram und TikTok veröffentlicht wird. Sämtliche Informationen, Routen und Abstimmungen werden über die Social-Media-Kanäle der Organisatoren kommuniziert.
Ganz nebenbei profitiert auch die lokale Wirtschaft von dem Konzept. Unterwegs sind regelmäßig Stopps an Cafés oder Spätis geplant. Verpflichtend sei das jedoch nicht.
„Wer etwas kaufen möchte, kann das tun. Es geht aber nicht darum, Geld auszugeben, sondern gemeinsam Zeit zu verbringen“, betont Pese.
Fortsetzung bereits geplant
Das Konzept sieht vor, künftig regelmäßig stattzufinden. Bereits diesen Samstag geht es weiter. Treffpunkt soll um 12 Uhr sein. Gegen 13 Uhr startet der Spaziergang, der rund sieben Kilometer umfasst und etwa drei Stunden dauert. Ende ist wieder am Ausgangspunkt – was danach passiert, bleibt den Teilnehmern selbst überlassen.
Nach dem erfolgreichen Auftakt steht für die Organisatoren fest: Der Spazierclub Leipzig soll weiter wachsen.
Denn am Ende geht es ihnen um eine einfache Idee: Menschen zusammenzubringen.
„Unser Ziel ist es, Connections zu schaffen und Menschen miteinander zu vernetzen“, sagt Julia.
Der große Andrang habe gezeigt, wie groß das Bedürfnis danach ist. Oder wie Pese es formuliert: „Menschen wollen wieder menschlich sein.“
