- Jannik Harneit (Harold Bride, Funker), Bernhard Hansky (Kapitän E. J. Smith), Lukas Witzel (Thomas Andrews, Ingenieur), Frank Josef Winkels (Bruce J. lsmay)
Wie fühlt man sich, wenn man die Titanic versenkt hat?
Dieser Untergang kommt in Chemnitz gut an. Bei den ersten Aufführungen des Musicals „Titanic“ gab es stehende Ovationen. Auch Kritiker heben vor allem die Bilder, die Ensembleszenen und die Bühnentechnik hervor. Und mittendrin steht einer, der die Verantwortung für das berühmteste Schiff der Welt trägt. Zumindest auf der Bühne.
Bernhard Hansky spielt Kapitän Edward J. Smith. Also haben wir ihn gefragt: Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man Abend für Abend die Titanic versenkt?
„Es fühlt sich natürlich ganz furchtbar an“, sagt Hansky. Nicht wegen seiner Rolle. Sondern wegen seiner Kollegen. „Meine begabten Kollegen spielen diesen Untergang so realistisch, so überzeugend, dass ich immer fassungslos auf der Seitenbühne stehe und nicht glauben kann, was ich da sehe.“
Wenn selbst der Kapitän staunt
Dabei kennt Hansky natürlich genau, was gleich passieren wird. Trotzdem funktioniert die Illusion für ihn offenbar jeden Abend aufs Neue.
Auch die Bühnentechnik trägt dazu bei. „Es ist wirklich ganz überwältigend, was unsere Bühnentechnik leistet“, sagt Hansky. Schon deshalb lohne für ihn ein Blick auf die Inszenierung. Für den Sänger steckt aber noch mehr in der Rolle. Kapitän Smith war schließlich kein erfundener Charakter.
„Es ist extrem großartig, eine historische Persönlichkeit darstellen zu können und alle Facetten dieser Schreckensnacht mitzuerleben, sich reinzufühlen und so einem Menschen ein Profil zu geben. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür.“
Keine Liebesgeschichte wie im Kino
Die Geschichte ist bekannt. Am 10. April 1912 verlässt die Titanic den Hafen von Southampton. Mehr als 2.200 Menschen befinden sich an Bord. Das Ziel ist New York. Dort kommt das Schiff nie an. In der Nacht vom 14. auf den 15. April kollidiert die Titanic mit einem Eisberg und sinkt. Die Katastrophe löst weltweit Entsetzen aus. Gleichzeitig beginnt ein Mythos, der bis heute anhält. Bücher werden geschrieben, Museen entstehen, Filme werden gedreht. Im Internet sammelt sogar eine eigene „Encyclopedia Titanica“ Daten über das Schiff, seine Besatzung und die Passagiere.
1997 kommt neben James Camerons berühmtem Kinofilm auch das Musical „Titanic“ heraus. Das Werk von Peter Stone und Maury Yeston gewinnt fünf Tony Awards.
Mit Jack und Rose hat die Bühnenfassung allerdings nichts zu tun.
Das Musical erzählt keine erfundene Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die tatsächlich an Bord waren oder für die unterschiedlichen Gruppen auf dem Schiff stehen: Passagiere aus verschiedenen Klassen, Arbeiter, Offiziere und die Schiffsführung.
Es geht um Luxus und harte Arbeit. Um Zukunftspläne und Hoffnungen. Und schließlich um Angst, Verdrängung und die Reaktionen der Menschen auf die bevorstehende Katastrophe.
Titanic fährt erstmals durch Chemnitz
Am Theater Chemnitz wird das Musical erstmals in einer eigenen Produktion gezeigt. Regisseur und Choreograf Till Nau hat die Inszenierung übernommen. Für Bühne und Video ist Momme Hinrichs verantwortlich, die Kostüme stammen von Conny Lüders. Die letzten Tage der Titanic werden dabei mit großen Bühnenbildern, Projektionen und schnellen Szenenwechseln erzählt.
Das fiel auch den Kritikern auf. Kulturfeder.de beschreibt die Chemnitzer „Titanic“ als cineastische Inszenierung. Die Szenen wirkten wie Einstellungen eines Films und würden sich nach und nach zu einem Gesamtbild verbinden. Auch „Die Deutsche Bühne“ hebt die Bilder der Inszenierung hervor. Besonders die großen Ensembleszenen würden musikalisch und emotional herausstechen.
Hansky kennt die Titanic seit 1997
Für Bernhard Hansky schließt sich mit seiner Rolle auch ein kleiner Kreis. „Ich habe Titanic natürlich wie viele andere auch 1997 im Kino gesehen, als James Camerons Film rauskam“, erzählt er und lächelt. Fast 30 Jahre später steht er nun selbst auf der Brücke. „Jetzt eine solche Rolle wie den Kapitän zu spielen, das ist für mich etwas ganz, ganz Besonderes. Ich freue mich riesig.“ So wird in Chemnitz ausgerechnet ein Untergang zum Bühnenhöhepunkt.
