- Aus DDR-Platte wurde „Haus Sonne“: Die WCW baut in Chemnitz zehn große Wohnungen mit Solarstrom, Infrarotheizung und Energie-Flatrate.
WCW und ’ne richtig geile Platte
Weiß, klare Linien, schwarze Balkonbrüstungen und viel Glas: Von außen erinnert an der Irkutsker Straße 161 nicht mehr viel an den Plattenbau von 1974. Drinnen geht der Wandel weiter. Helle Holzböden, offene Küchen, große Wohnbereiche und breite Balkone bestimmen die Entwürfe. Wo früher 30 Wohnungen lagen, sind heute zehn großzügige Drei- und Vier-Raum-Wohnungen entstanden.
Die WCW Chemnitz will mit ihrem „Haus Sonne“ zeigen, was aus einer alten Platte herauszuholen ist.
Aus 30 Wohnungen werden zehn
Rund zwei Millionen Euro hat der Umbau gekostet. Nur etwa ein Jahr dauerte die Sanierung. Ein Teil des langgezogenen Blocks wurde abgerissen, Grundrisse wurden komplett verändert. Die neuen Wohnungen sind zwischen 80 und 100 Quadratmeter groß.
Die Wärme kommt von oben
Klassische Heizkörper sucht man vergeblich. Auch eine Fußbodenheizung gibt es nicht. Stattdessen hängen quadratische Infrarotstrahler an den Decken. Laut Leukefeld geben sie gleichmäßige Wärme ab, sind allergikerfreundlich, wartungsfrei und sollen rund 30 Jahre halten.
Die Platte hängt zudem nicht mehr am Fernwärmenetz. Rund 400 Quadratmeter Photovoltaik auf Dach und Balkonen erzeugen Strom. Ein Speicher hält Energie für sonnenarme Zeiten bereit. Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs soll das Haus selbst decken. Damit erreicht es die Energieeffizienzklasse A Plus.
Für den Plattenbautyp P2 hatte die WCW zuvor mit mehreren Partnern ein statisches Verfahren entwickelt, damit die Dachflächen überhaupt großflächig mit Solarmodulen belegt werden können.
Strom aus dem eigenen Haus
In jeder Wohnung steht außerdem ein sogenannter Autarkieboiler. Er besitzt zwei Stromanschlüsse: einen für das öffentliche Netz und einen für den Solarstrom aus dem Haus. So soll möglichst viel selbst erzeugte Energie direkt genutzt werden.
Auch bei der Miete probiert die WCW etwas Neues. Für 12,75 Euro je Quadratmeter gibt es eine Pauschalmiete mit Energie-Flatrate. Miete, Heizkosten und ein großzügiges Stromkontingent werden zu einem festen Betrag zusammengefasst. Eine klassische jährliche Abrechnung entfällt laut WCW. Der Preis wird für vier Jahre festgeschrieben.
Aus der alten Platte ist damit nicht nur ein neues Haus geworden. Sie dient der WCW zugleich als Pilotprojekt dafür, wie weitere DDR-Serienbauten energetisch und beim Grundriss umgebaut werden könnten.
