- Im Jagdschloss Graupa beleuchtet eine multimediale Dauerausstellung Wagners frühe Schaffensjahre in Sachsen
Wagner-Stätten in Graupa erhalten äußerst seltenes Exponat
Ein bedeutendes Stück Musikgeschichte ist zurückgekehrt: 190 Jahre nach seiner Niederschrift hat ein Originalbrief von Richard Wagners Mutter, Johanna Rosine Wagner, seinen Weg in den Bestand der Richard-Wagner-Stätten Graupa gefunden. Das seltene Dokument gewährt einen intimen Einblick in die finanzielle Notlage des jungen Komponisten.
Die Musikwissenschaftlerin Prof. Eva Rieger übergibt das wertvolle Schriftstück gemeinsam mit Wagners Urenkelin Dagny Beidler an das Pirnaer Musikermuseum. Für Katja Pinzer-Hennig, leitende Kustodin der Richard-Wagner-Stätten Graupa, ist dieser Neuzugang ein „großes Glück“.
Eine Geschichte zwischen Zeitungsarchiv und Original
Dass der Brief überhaupt als so bemerkenswert gilt, hat eine eigene Vorgeschichte: Bereits vor Jahren tauchte in einer Schenkung ein undatierter Zeitungsausschnitt aus den späten 1930er Jahren auf, der einen Abdruck jenes Briefes enthielt. Die damalige Bildunterschrift wies bereits darauf hin, dass es sich um ein seltenes Ausstellungsstück handelte. Dass nun das Original – ein Dokument von größter Seltenheit – den Weg nach Graupa gefunden hat, ist für die Forschung und das Museum ein bedeutender Gewinn.
Verzweiflung wegen „Das Liebesverbot“
Der Inhalt des Briefes vom 25. April 1836 beleuchtet eine schwierige Phase im Leben Richard Wagners. Seine Mutter, die nach der Heirat mit ihrem zweiten Mann Ludwig Geyer dessen Namen trug, schrieb an Wagners Freund Theodor Apel. Sie war offenbar in großer Sorge: Wagners Unternehmungen in Magdeburg und die Aufführung seiner Oper „Das Liebesverbot“ hatten nicht den erhofften Erfolg gebracht, und nach der Auflösung der Magdeburger Theatergruppe stand der junge Komponist ohne Anstellung und Einkommen da.
In ihrem Schreiben ersuchte die Mutter seinen Freund Apel um einen Kredit über 50 Thaler, um ihren Sohn finanziell zu unterstützen – sie bot an, den Betrag in zwei Raten zurückzuzahlen. Wie Theodor Apel auf diese Bitte reagierte, bleibt in der Geschichte ein offenes Geheimnis.
Besucher haben die Möglichkeit, dieses historische Dokument im Original zu betrachten. Der Brief ist bis Ende August 2026 im Lohengrinhaus ausgestellt.
