- Unsere Uni sucht Rollstuhlfahrer, deren Rollis Hindernisse erkennen. Für eine halbe Million Euro werden die Daten dann von den Forschern der TU zu speziellen Karten zusammengefasst.
Uni sucht Rollstuhl-Kundschafter
Hindernisse ausspionieren, gefährliche Stellen ausbaldowern und schwer befahrbare Wege erspähen: Die TU Chemnitz sucht Rollstuhlfahrer, die in hilfreicher Mission durch die Stadt rollen. Im Auftrag der Uni sollen sie Daten sammeln, damit Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ihre Wege künftig besser planen können.
Wenn jeder Bordstein zur Hürde wird
Ist der Gehweg breit genug? Lauert hinter der nächsten Ecke eine hohe Bordsteinkante? Und endet der bequeme Weg plötzlich vor einer Treppe? Für Fußgänger sind solche Fragen oft nebensächlich. Wer einen Rollstuhl nutzt, muss eine Strecke dagegen manchmal erst im wahrsten Wortsinn erfahren. Denn viele Kartendienste zeigen zwar Straßen und Abzweigungen, verschweigen aber entscheidende Einzelheiten.
Sie verraten häufig nicht, ob ein Weg stark ansteigt, durch Baustellen oder Schilder verengt ist oder ob Kopfsteinpflaster, Schotter und Schlaglöcher die Fahrt erschweren. Die Folge: ungeplante Umwege, gefährliche Fahrten auf der Straße oder der Verzicht auf einen Besuch. Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind auf einen Rollstuhl angewiesen. Für sie entscheidet die Beschaffenheit eines Weges darüber, ob sie selbstständig ans Ziel kommen.
Rollstühle werden zu Spürfahrzeugen
Hier beginnt die Mission der Rollstuhl-Kundschafter. Die Professur Mensch und Technik der TU Chemnitz entwickelt für das Forschungsprojekt ROLL-I ein mobiles Sensorkit. Die Messgeräte werden direkt am Rollstuhl befestigt. Während die Teilnehmer durch die Stadt fahren, sollen die Sensoren den Untergrund ausspionieren. Starke Erschütterungen können darauf hinweisen, dass ein Weg uneben oder beschädigt ist. Auch Steigungen, Engstellen und andere Hindernisse sollen die Geräte erspähen.
Die gesammelten Informationen werden an die Forscher weitergeleitet und mit topografischen Daten verbunden. Programme sollen anschließend ausbaldowern, wie gut einzelne Straßen und Wege mit einem Rollstuhl befahrbar sind.
Karten für die beste Route
Aus den Daten sollen spezielle Karten entstehen. Sie könnten später nicht nur den kürzesten Weg anzeigen, sondern jene Strecke, die tatsächlich gut zu bewältigen ist. Das Projekt läuft bis Dezember 2027 und wird mit insgesamt 522.000 Euro gefördert. Eine Verbindung zu bestehenden Kartendiensten wie OpenStreetMap ist ebenfalls denkbar.
In hilfreicher Mission mitmachen
Die TU setzt ausdrücklich auf die Erfahrungen der Betroffenen. Wer im Auftrag der Uni als Rollstuhl-Kundschafter unterwegs sein und Barrieren erspähen möchte, kann sich HIER beim Projektteam melden. So wird aus einer alltäglichen Fahrt eine hilfreiche Mission. Jeder ausspionierte Bordstein und jede ausbaldowerte Engstelle kann dazu beitragen, dass andere Menschen später sicherer, selbstständiger und ohne böse Überraschungen ans Ziel kommen.
