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Theater-Leitung kritisiert Fusions-Gedanken

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Das Opernhaus steht in Chemnitz im Zentrum einer neuen Debatte um die Zukunft des Theaters. Auslöser ist ein Vorschlag von SPD-Stadtrat Detlef Müller. Er will den geplanten Theater-Umbau am Spinnbau streichen. Damit ließen sich rund 60 Millionen Euro sparen. Stattdessen solle der Blick auf das Opernhaus gehen. Dort gibt es einen Sanierungsstau von rund 10 Millionen Euro.

Die Theaterleitung hält davon nichts. In einem Brief an die Stadträte kritisiert sie die Idee scharf. Der Kern des Vorschlags: Künftig sollen alle fünf Sparten des Chemnitzer Theaters im Opernhaus untergebracht werden. Also Oper, Operette und Musical, dazu Ballett, Schauspiel, Figurentheater und Philharmonie. 

Was heute schon da ist

Bislang verteilt sich der Spielbetrieb auf mehrere Häuser. Neben dem Opernhaus gibt es im Schauspiel weitere Bühnen. Dazu gehören die große Bühne, die Studiobühne und das Figurentheater. Nach Angaben der Theaterleitung gibt es derzeit rund 250 Veranstaltungen im Opernhaus. Im Schauspielhaus und im Spinnbau kommen weitere 450 bis 500 dazu. Würde alles im Opernhaus gebündelt, dann würde sich das künstlerische Angebot nach diesen Angaben mindestens halbieren. Auch tausende Zuschauerplätze würden wegfallen.

Was dann nicht mehr ginge

Der Brief nennt die Folgen ziemlich klar. Das Weihnachtmärchen wäre nicht mehr machbar. Auch die Schultheaterwoche und Theaterfestivals werden genannt. Der Theaterjugendclub und die Opernballettschule würden wegfallen. Als Beispiel verweist Generalintendant Dr. Christoph Dittrich auf die Oper „Rummelplatz“ über die Geschichte der Wismut AG. Solche großen Produktionen brauchen Zeit und Platz. Beides wäre bei nur einer Bühne knapp.

Warum das Opernhaus nicht alles auffangen kann

Die Theaterleitung nennt auch bauliche Gründe. Das Opernhaus sei keine Schauspielbühne. Der Orchestergraben schaffe Abstand. Auch Sichtlinien und Akustik seien für Sprechtheater nur eingeschränkt geeignet. Dazu kommt der Alltag hinter den Kulissen. Auf Bühnen wird nicht nur gespielt. Dort wird auch geprobt. Der Spielbetrieb würde also noch stärker schrumpfen, als es zunächst aussieht.

Der Appell an den Stadtrat

Die Theaterleitung fordert deshalb eine tragfähige Lösung für Schauspielhaus und Opernhaus. Sie verlangt Planungssicherheit und eine Entscheidung, die alle Sparten im Blick behält. Im Brief wird das Theater außerdem als Teil der Chemnitzer Stadtgeschichte beschrieben. Seit fast 200 Jahren sei es ein Ort für künstlerische Arbeit, öffentliche Verständigung und gesellschaftliche Debatten. Das Schauspielhaus erscheint darin als Teil der kulturellen Identität der Stadt.