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Taxi-Vorstand schreibt an Stadträte: Wir müssen drUBER reden

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Ein Taxi zum Flughafen sei teurer als ein Flug nach Mallorca? Mit dieser Aussage löste Felix Stübner, Chef der CDU im Schönfelder Hochland, einen Sturm der Entrüstung in der Taxi-Branche aus. Dabei ging es darum, den Anbieter UBER auch nach Dresden zu holen. In Leipzig und Chemnitz gibts ihn schon, wie in über 70 weiteren deutschen Städten. 

Auch Dresden sei für das amerikanische Mietwagen-Unternehmen „interessant“, so Klaus Gorny, Sprecher von UBER in Deutschland.  „Allerdings müssen gewisse Rahmenbedingungen gegeben sein.“ Dazu gehöre, dass Taxi- und Mietwagenunternehmen, die mit UBER kooperieren, in und um Dresden ihren Betriebssitz haben müssten. Gorny: „Im Moment haben wir leider noch nicht ausreichend Partner vor Ort, arbeiten aber daran, dies zu ändern.“ 

Doch die Dresdner Taxi-Genossenschaft warnt und schrieb jetzt an die Stadträte der CDU. Jan Kepper, Vorstand der Taxi-Genossenschaft, hält es „für dringend geboten, sich frühzeitig und differenziert mit den möglichen Auswirkungen eines solchen Markteintrittes auseinander zu setzen.“

In einem Gespräch mit unserem Sender erklärt Kepper, er sei nicht grundsätzlich gegen Konkurrenz. Aber UBER würde „sich nicht an die Gesetze in diesem Land halten und einen ruinösen Preiskampf führen, um die Taxis zu zerstören.“ UBER-Mitbegründer Travis Kalanick wurde bei seiner Markteroberung mit dem Spruch „an asshole named taxi“  (ein Arschloch namens Taxi) berühmt. „Diese Aussage ist immer noch präsent“, so Kepper.

Wie rechnet UBER?

Mit dem Preisdumping, so Keppers Theorie, wolle UBER erstmal die Konkurrenz platt machen, um den Markt dann selber zu regieren. Denn rechnerisch geht die Preisgestaltung kaum auf: „Ein Fahrer in Dresden muss mit dem Lohn, den er bekommen soll, nach der Gesetzeslage 13,90 € pro Stunde, 35 € Umsatz generieren, damit es wirtschaftlich Sinn macht, diesen Fahrer auch beschäftigen zu können.“, so Kepper weiter. In Chemnitz, so habe ihm ein Kollege erzählt, sei aber eine UBER-Fahrt, die mit dem Taxi rund 16 Euro kosten würde, für 2,38 Euro angeboten worden. 

Dabei müssten Subunternehmer, die für UBER fahren, bis zu 30 Prozent Provision für die Vermittlung zahlen, so Kepper. „Und das ist eigentlich in unserer Branche nicht möglich, weil die Marge gar nicht vorhanden ist. Also für mich als Betriebswirt ist es wirtschaftlich nicht darstellbar mit den Umsätzen in dieser Situation, sich an alle rechtlichen Vorgaben zu halten und da ein wirtschaftliches tragfähiges Konzept zu entwickeln. Das funktioniert in meinen Augen nicht.“ 

Trotzdem Mindestlohn

Heißt: Selbstausbeutung? Einzel-Unternehmer als UBER-Fahrer, die sich dann selbst keinen Mindestlohn zahlen müssten, gäbe es „in Deutschland so nicht“, so Gorny. „Die Fahrerinnen und Fahrer sind bei den (kooperierenden) Unternehmen sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen mindestens den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, in der Regel mehr. Alle Fahrer der Flottenbetreiber - also sowohl Taxi- als auch Mietwagenfahrer - besitzen einen Personenbeförderungsschein und alle Fahrten sind versichert.“ Die Einhaltung der Gesetze habe „höchste Priorität und die mit UBER kooperierenden Unternehmen sind vertraglich verpflichtet, alle rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.“ Bei Verstößen drohen den Unternehmen Maßnahmen, die bis zur Sperrung auf der UBER-Plattform reichen könnten.

Dennoch ist der Fahrdienstvermittler in der Preisgestaltung frei, weil er als Mietwagen zählt - nicht als Taxi. Der Taxifahrer in Dresden ist an die vom Stadtrat beschlossenen Tarife gebunden. Und bei denen gehen rund 70 Prozent für Personalkosten drauf, erklärt Kepper. „Wir haben die Fahrzeugkosten, Spritkosten, Sozialabgaben, Steuern, mögliche Gewinne, die man mit einpreisen muss, das zu verzinsende der Kapital. Das sind alles Punkte, die man in der Gesamtkostenstruktur mit berücksichtigen muss und damit sind 35 Euro (Umsatz pro Stunde, d.R.) eine Kenngröße, die der Fahrer erreichen muss“, rechnet der Taxi-Vorstand weiter. Taxis führen dafür nur 7 Prozent Mehrwertsteuer ab, Mietwagen (also UBER oder Bolt) hingegen 19 Prozent.

Wie sich Kampfpreise von 2,38 Euro also rechnen, bleibt offen. Wie sich der Fahrdienstanbieter trotzdem offensichtlich seit Jahren in Deutschland behauptet, „müssen sie nicht mich fragen, sondern die Fahrer dort“, so Kepper. 

Audio:

Taxi-Vorstand Kepper im Gespräch mit Claudia Lord