- Prozess um Zwangsprostitution in Chemnitz: Vier Angeklagte sollen Vietnamesinnen in Wohnungsbordellen ausgebeutet haben. Sex wurde ab 70 Euro angeboten.
Sex ab 70 Euro – Prozess um Zwangsprostitution
Sie soll einen klaren Plan gefasst haben: Frauen in Deutschland zur Prostitution zu zwingen. So beschreibt die Anklage die Absichten einer 48-jährigen Vietnamesin, die seit Montag in Chemnitz vor Gericht steht.
Die Frau war zuvor ohne Visum mit dem Zug aus Paris nach Deutschland eingereist. Später erhielt sie in Halle eine Duldung. Von dort aus soll sie schließlich ein Netz aus Wohnungsbordellen mit aufgebaut und gesteuert haben.
Sex mit zwei Frauen für 300 Euro
Wohnungen gab es nach den im Prozess bekannt gewordenen Angaben unter anderem in Hainichen, Plauen, Chemnitz und Halle. Dort sollen Vietnamesinnen Freiern angeboten worden sein. Die Preise begannen bei 70 Euro. Auf der Angebotskarte stand laut Anklage auch ungeschützter Verkehr mit zwei Frauen für 300 Euro.
Hinter diesen Angeboten steht ein schwerwiegender Vorwurf: Die Frauen sollen kaum selbst darüber bestimmt haben, welche sexuellen Dienstleistungen sie anboten. Nach Angaben des Landgerichts mussten sie teilweise auch ungeschützten Geschlechtsverkehr zulassen.
Versprochen wurde Arbeit als Masseurin
Seit Montag müssen sich vor dem Landgericht Chemnitz vier Angeklagte verantworten: die Vietnamesin, ihr Bruder und zwei Deutsche. Laut Anklage wurden Frauen aus Vietnam mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt. Ihnen sei eine Arbeit als Masseurin in Aussicht gestellt worden. Tatsächlich sollen sie in Wohnungsbordellen als Prostituierte eingesetzt worden sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Netzwerk von Halle an der Saale aus organisiert wurde. Bordelle soll es in mehreren Bundesländern gegeben haben.
Bis zu 28 Fälle illegaler Einreise
Der Vorwurf: gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern in bis zu 28 Fällen. Die Ermittlungen gegen das Netzwerk liefen seit Frühjahr 2024. Im Februar 2026 schlug die Polizei schließlich bei einer großen Razzia in mehreren Bundesländern zu. Die mutmaßliche Chefin und ihr Bruder kamen anschließend in Untersuchungshaft.
Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.
