Pflegekräfte aus der Oberlausitz auf der Suche nach einem anderen Beruf
Der Arbeitsmarkt in der Oberlausitz hat sich trotz der Corona-Pandemie etwas erholt. Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr bei sechseinhalb Prozent und damit nur 0,2 Prozent höher als vor Corona. Ein Einbruch auf dem Jobmarkt wurde durch das Kurzarbeitergeld verhindert. Es habe wie eine Brandmauer gewirkt, sagte uns die Bautzener Arbeitsagenturchefin Kathrin Groschwald. Als einen weiteren Grund nannte sie „den breitgefächerten Branchenmix“ in den Region. Dadurch werde der Arbeitsmarkt gestärkt.
Im medizinischen und im Pflegebereich droht unterdessen eine Arbeitskräfteflucht. Rund 30 Prozent jener, die demnächst eine neue Arbeit suchen, kommen aus Pflegeheimen, ambulanten Diensten und Krankenhäusern. „Es sind Pflegefachkräfte und Helfer, Physiotherapeuten und vereinzelt auch Ärzte.“ Groschwald vermutet, dass die Meldungen mit der angekündigten Impfpflicht in diesem Bereich zusammenhängen. „Sie wollen sich offenbar einen anderen Beruf suchen.
Zugleich ist mit Beginn der vierten Coronawelle im Herbst die Zahl der Kurzarbeitergeld-Anzeigen wieder gestiegen. Im November waren es 269 für 2.900 Beschäftigte und im Dezember 639 für 4.700 Beschäftigte. Die Anzeigen kamen vor allem aus der Gastronomie, Kunst und Unterhaltung sowie 20 Produktionsbetrieben. Andererseits suchen Firmen Arbeitskräfte. Die Arbeitsagentur Bautzen kann über 5.000 offene sozialversicherungspflichtige Stellen anbieten, davon viele unbefristet und in Vollzeit. Von den Unternehmen nachgefragt werden vor allem Fachkräfte in metallverarbeitenden Betrieben, im Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch im kaufmännischen Bereich und in der Informatikbranche.
Das Problem sei aber, dass es derzeit nur wenige qualifizierte Arbeitssuchende gebe, so Groschwald. 9.300 Arbeitslose suchen eine Stelle als Helfer. Das ist jeder Dritte. Für die Bautzener Arbeitsagenturchefin ist die Qualifizierung von Jobsuchenden ein Baustein, um den Fachkräftemangel zu verringern. Außerdem brauche die Region die gezielte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland.