Nach Hauseinsturz: Görlitz trauert - Kripo ermittelt
Görlitz trauert um die Opfer des Hauseinsturzes. An einem Denkmal, gut 200 Meter von der Unglücksstelle entfernt, wurden Kerzen aufgestellt und ein Strauß Blumen. Der beiden Frauen und den Mann, die unter dem Trümmerberg begraben wurden, soll in angemessener Weise gedacht werden. Kirchenvertreter seien auf die Stadt zugekommen, sagte Oberbürgermeister Octavian Ursu. In Pfingstgottesdiensten sollen Fürbitten gehalten werden. Ob es nach den Feiertagen eine Gedenkveranstaltung geben wird, steht noch nicht fest.
Inzwischen können Anwohner wieder zurück in ihre Wohnungen in der James-von-Moltke-Straße 28, 29 und 30. Sie werden gebeten, sich bei den Einsatzkräften an den Absperrungen zu melden. Dagegen seien die Gebäude mit den Hausnummern 20 und 22 weiterhin nur kurzfristig betretbar, so die Polizei. Der Sperrbereich um das eingestürzte Haus wurde verringert. Die Sperrung der Blockhausstraße ist aufgehoben. Schillerstraße und Dr.-Kahlbaum-Allee sind als Einbahnstraße Richtung Grenze wieder befahrbar. Der Einreiseverkehr von Polen kann ab Dienstag auch wieder in die Gegenrichtung über die Dr.-Kahlbaum-Allee fahren. Die James-von-Moltke-Straße bleibt komplett gesperrt.
Am Montag war nach einer Gasexplosion ein Gründerzeithaus, in dem sich Ferienwohnungen befanden, komplett zerstört worden. Unter dem Trümmerberg wurden zwei Frau aus Rumänien (25,26) und ein Deutsch-Bulgare (48) begraben. Sie wurden am Mittwoch und Donnerstag tot geborgen.
Die Kripo hat mit umfangreichen Ermittlungen begonnen - „in alle Richtungen“, so der Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz, Raik Schulze. „Wir schließen Materialversagen, einen technischen Defekt oder Unzulänglichkeiten bei der Wartung grundsätzlich nicht aus.“ Es kursieren Spekulationen, wonach Kupferdiebe für die Gasexplosion verantwortlich sein könnten. „Diese Ermittlungsrichtung haben wir ebenfalls im Fokus, aber derzeit keinen dringenden Tatverdacht gegen irgendwelche Personen.“
Gerichtsmediziner haben mit der Obduktion der drei Toten begonnen. Mit den Ergebnissen wird nächsten Dienstag gerechnet. Davon erhoffen sich die Ermittler Erkenntnisse zu Todesursache und Todeszeitpunkt. Zeugen sollen gehört werden, so z.B. auch der Verantwortliche, der die Heizungsanlage gewartet hatte. Die Ermittlungen werden einige Wochen in Anspruch nehmen.
Rund um den Unglücksort in Görlitz soll so schnell wie möglich wieder Normalität einziehen. Die Stadtwerke sind dabei, insgesamt 18 Häuser wieder an das Gasnetz anzuschließen. In drei Phasen sollen die Haushalte wieder ans Netz genommen werden. Über eine parallele Versorgungsleitung sollen zunächst neun Häuser im Bereich der Blumen- und Emmerichstraße zügig wieder angeschlossen werden.


