++ EIL ++
  • Der Energieversorger “eins” will auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Nord für knapp 300 Millionen Euro eine neue Müllverbrennungsanlage bauen.

Müllverbrennungsanlage für 295 Mio. Euro auf dem Prüfstand

Zuletzt aktualisiert:

Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Chemnitz-Nord am Dammweg soll in den kommenden Jahren ein neues Abfallheizkraftwerk entstehen. Rund 230.000 Tonnen Müll pro Jahr sollen dort verbrannt und in Strom und Fernwärme verwandelt werden. Die Investition liegt nach Angaben der Staatsregierung bei rund 295 Millionen Euro, die Inbetriebnahme ist für Mai 2030 vorgesehen.

Hinter dem Projekt steht die WärmeWerk Chemnitz GmbH & Co. KG. Beteiligt sind eins energie sowie der Schweizer Anlagenbauer Kanadevia Inova.

Alle Unterlagen liegen jetzt vor

Das Genehmigungsverfahren erreicht nun einen wichtigen Punkt. Der erste Antrag war am 22. April eingereicht worden, allerdings noch nicht vollständig. Am 20. Juli folgte eine überarbeitete Fassung. Inzwischen hat die Genehmigungsbehörde bestätigt, dass alle notwendigen Unterlagen vorliegen. Damit kann die eigentliche Prüfung des Vorhabens beginnen.

Bis zu einer Entscheidung dürfte trotzdem noch einige Zeit vergehen. Die Staatsregierung hatte zuletzt mit einer Genehmigung frühestens im zweiten oder dritten Quartal 2027 gerechnet. Erste Stellungnahmen gibt es bereits zur Verkehrsanbindung sowie zum Schutz von Tieren und Pflanzen.

Woher kommt so viel Müll?

Eine der spannendsten Fragen bleibt allerdings: Wo sollen jedes Jahr 230.000 Tonnen Abfall herkommen?

Chemnitz allein produziert dafür bei weitem nicht genug Rest- und Sperrmüll. Das Kraftwerk ist deshalb von Anfang an für ein größeres Einzugsgebiet gedacht. Neben Hausmüll sollen auch Gewerbeabfälle verbrannt werden. Zudem könnten Mengen aus dem Erzgebirgskreis, dem Landkreis Zwickau und dem Vogtland eine Rolle spielen. Die Abfallverwertung in der Region wird für die Zeit ab 2030 neu vergeben. Ob diese Mengen tatsächlich nach Chemnitz gehen, steht aber noch nicht fest.

Für das Kraftwerk spricht aus Sicht der Betreiber auch die veränderte Entsorgung. Früher wurde Restmüll am Weißen Weg aufbereitet. Ein Teil des daraus gewonnenen Ersatzbrennstoffs konnte unter anderem in Kohlekraftwerken genutzt werden. Mit dem Kohleausstieg verliert dieser Weg an Bedeutung.

Gleichzeitig soll Deutschland künftig weniger Müll produzieren und mehr wiederverwerten. Genau darin liegt der Knackpunkt: Das neue Kraftwerk braucht über Jahrzehnte große Mengen Brennstoff. Ob diese Rechnung langfristig aufgeht, wird deshalb neben Technik, Umwelt und Kosten eine der entscheidenden Fragen des Projekts sein. 

Alle Fakten finden Sie hier