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  • Die große Baustelle der Leipziger Verkehrsbetriebe am Hauptbahnhof, hier wird derzeit wieder die bei jüngsten Hitze ausgelaufene Fugenmasse verbaut.

LVB verwenden kritische Fugenmasse weiter

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Alte Masse, hoffentlich nicht das gleiche Spiel: An der Großbaustelle am Leipziger Hauptbahnhof wird wieder die Fugenmasse verbaut, die noch vor wenigen Wochen den Straßenbahnbetrieb für über eine Woche lahmgelegt hat. Das haben die Leipziger Verkehrsbetriebe auf Nachfrage erklärt. Sie sehen darin jedoch kein Risiko: Das Material sei weiterhin zugelassen und gelte nach wie vor als aktueller Stand der Technik.

Nach Angaben von Stefan Röll, Bereichsleiter Infrastruktur der LVB, gibt es derzeit keine Alternative, die die hohen technischen Anforderungen erfüllen würde. Die Fugenmasse muss Temperaturen von ca. -30°C bis plus 40°C Lufttemperatur standhalten. In den Fugen selbst können bei starker Sonneneinstrahlung sogar Temperaturen von bis zu über 80 Grad entstehen.

Alte Masse, aber stärkere Kontrolle

Damit sich die Probleme der letzten Woche nicht wiederholen, setzen die LVB künftig auf deutlich umfangreichere Kontroll- und Schutzmaßnahmen. Bereits während des Einbaus wird jeder Arbeitsschritt detailliert dokumentiert und überwacht. Zudem werden die Fugen technisch tiefer ausgeführt.

Neuer Hitzeplan für die Gleise

Außerdem wurde nach der Havarie ein umfangreicher Hitzeplan entwickelt. Dieser sieht unter anderem zusätzliche Bereitschaftsdienste vor: Die erste Stufe greift ab 35°C, eine zweite ab 38°C. Die Gleise werden dann besonders intensiv überwacht und feste Teams können bei Problemen schneller ausrücken. Bei Bedarf sollen Busse nicht mehr über die Schienen fahren (um ein Breitfahren des Bitumens zu verhindern), einzelne Bereiche gezielt mit Wasser gekühlt und Steinmehl zwischen Schiene und Fuge eingebracht werden, um die Wärmeentwicklung zu reduzieren.

Dass die Fugenmasse grundsätzlich funktioniert, zeigen laut LVB andere Verkehrsbetriebe, die dasselbe Material ohne vergleichbare Probleme einsetzen. Der neue Hitzeplan soll deshalb verhindern, dass sich die Ereignisse in Leipzig wiederholen.

Gutachten noch ohne endgültige Ergebnisse

Parallel dazu läuft die Ursachenforschung weiter. Im Auftrag der LVB untersucht der TÜV Süd den Schaden. Bereits am Dienstag nach dem Vorfall wurden Proben aus betroffenen und unauffälligen Bereichen entnommen und eingeschickt. Außerdem dokumentierten die Gutachter den Schaden umfassend und befragten die LVB intensiv zu Bauweise und Instandhaltung der Gleise. Die Erkenntnisse fließen bereits jetzt in die detailliertere Dokumentation während der aktuellen Bauarbeiten ein.

Mit dem endgültigen Ergebnis des Gutachtens rechnen die LVB im dritten Quartal, voraussichtlich im September oder Oktober. Von den Ergebnissen erhofft sich das Unternehmen vor allem Antworten für die Zukunft. Ein kompletter Austausch aller Fugen wäre nach Angaben der LVB weder wirtschaftlich noch verkehrlich leistbar. Stattdessen soll das Gutachten zeigen, wie künftig mit dem Material umgegangen werden sollte – und ob perspektivisch eine andere Fugenmasse zum Einsatz kommen könnte.

 


Audio:

Stefan Röll über die kritische Fugenmasse.