++ EIL ++

Für 93 Mio. Euro! So soll die weltweit erste Schiffseisenbahn im Neuseenland aussehen

Zuletzt aktualisiert:

Das Leipziger Neuseenland könnte in den kommenden Jahren um ein außergewöhnliches Infrastruktur- und Tourismusprojekt erweitert werden. Die sogenannte „Bootspassage Neue Harth“ soll eine neue wassertouristische Verbindung zwischen dem Cospudener und dem Zwenkauer See schaffen. Herzstück des Vorhabens ist eine Schiffseisenbahn, die als innovative und landschaftlich integrierte Lösung den Gewässerverbund stärkt und Wasser, Landschaft sowie Freizeit miteinander verbindet.

Geplant ist dabei der Transport von Booten und Schiffen in einer wassergefüllten Trogkonstruktion auf Schienen über Land. Die Anlage soll sowohl Sport- und Freizeitboote als auch Fahrgastschiffe aufnehmen können – darunter auch größere Einheiten wie die MS Wachau mit bis zu rund 70 Passagieren sowie kleinere Boote. Ergänzt werden soll das Projekt durch Aufenthaltsbereiche, touristische Infrastruktur und Informationsangebote, die zugleich die bergbauliche Geschichte der Region erlebbar machen.

Varianten geprüft – Schiffseisenbahn setzt sich durch

Im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung wurden verschiedene technische Lösungen zur Überwindung des Höhenunterschieds zwischen den Seen untersucht. Dazu zählten unter anderem Kanäle, Schleusen, Hebewerke sowie unterschiedliche Formen von Schiffseisenbahnen. Als Vorzugsvariante wurde schließlich eine Schiffseisenbahn mit Nassförderung im Trog ausgewählt.

Diese Variante gilt als besonders flexibel und soll sich landschaftlich gut in die Umgebung einfügen. Sie bildet damit den technischen Kern der geplanten Verbindung im Leipziger Neuseenland und ist außerdem weltweit so einmalig.

Politische Entscheidung bereits getroffen

Mit der Festlegung auf die Schiffseisenbahn als bevorzugte Lösung ist eine zentrale Weiche bereits gestellt. Sowohl der Zweckverband Neue Harth als auch die Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland haben das Projekt als Grundlage für die weiteren Planungsschritte bestätigt. Damit ist die Schiffseisenbahn offiziell als Nachfolgeprojekt des zuvor verworfenen Harth-Kanals gesetzt.

Mehrwert für die Region und Strukturwandelprojekt

Das Vorhaben wird als bedeutender Baustein für die regionale Entwicklung gesehen. Erwartet werden ein deutlicher Attraktivitätsgewinn für Naherholung und Tourismus, ein Imagegewinn durch den außergewöhnlichen technischen Charakter sowie Impulse für regionale Wertschöpfung, Beschäftigung und Investitionen.

Gleichzeitig soll die Bootspassage die Identität der Region stärken, indem sie den Bezug zur Bergbaugeschichte aufgreift und den Strukturwandel sichtbar macht. Auch die Zugänglichkeit und Barrierefreiheit am und auf dem Wasser soll verbessert werden.

Zudem ergänzt das Projekt den Grünen Ring Leipzig als überregionales Infrastruktur- und Landschaftsprojekt und wird als gemeinsames Entwicklungsprojekt der Region verstanden.

Kosten und Finanzierung

Für die Vorzugsvariante inklusive begleitender Infrastruktur wird ein Investitionsvolumen von etwa 93 Millionen Euro brutto veranschlagt. Die Finanzierung soll überwiegend über Fördermittel im Rahmen des Strukturwandels in den Kohleregionen sowie über Programme der regionalen Wirtschafts- und Tourismusförderung erfolgen.

Ausblick

Ob die Vision tatsächlich umgesetzt wird, hängt nun von den weiteren Planungs-, Genehmigungs- und Finanzierungsprozessen ab. Die Bootspassage Neue Harth gilt dabei als langfristiges Schlüsselprojekt, das den Gewässerverbund im Leipziger Neuseenland grundlegend verändern könnte – vorausgesetzt, die nächsten Schritte führen tatsächlich zur Realisierung.

Audio:

Reporterin Clarissa Kunath im Gespräch mit Anna Zábojník aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer.