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GSK will Dresdner Impfstoffwerk schließen

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Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline will sein traditionsreiches Impfstoffwerk in Dresden schließen. Die Beschäftigten wurden am heutigen Donnerstag über die Pläne informiert. Das Unternehmen begründet den Schritt mit der weltweit rückläufigen Nachfrage sowie bestehenden Überkapazitäten. GlaxoSmithKline produziert in Dresden unter anderem Grippeimpfstoffe.

„Uns ist bewusst, dass das sehr schwere Nachrichten für unsere engagierten Kolleginnen und Kollegen in Dresden sind“, teilte der Pharmakonzern mit. „Die betroffenen Mitarbeiter stehen für GSK an erster Stelle. Ihnen steht ein breites Unterstützungsangebot zur Verfügung, das sofortige, praktische und individuelle Hilfe umfasst. Dazu gehört auch ein erweitertes unabhängiges Mitarbeiterunterstützungsprogramm, das vertrauliche Leistungen bietet.“

GSK verpflichtet sich nach eigener Aussage, eng mit dem Dresdner Betriebsrat und allen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, Informationen transparent zu teilen und maßgeschneiderte Unterstützungsmaßnahmen bereitzustellen, um alle durch diesen Übergang zu begleiten. „GSK konzentriert sich voll und ganz darauf, einen umfassenden Ausstiegsplan festzulegen, der darauf abzielt, die potenziellen Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter zu mildern“, heißt es in einer Mitteilung. „Der geplante Zeitrahmen für die Umsetzung dieser Änderung erstreckt sich bis Ende September 2027. Dieser Zeitraum ermöglicht einen sorgfältigen und strukturierten Übergang und gibt uns die Möglichkeit, die nächsten Schritte verantwortungsvoll umzusetzen und fortlaufend Klarheit zu schaffen.“

Gewerkschaft kündigt Widerstand an 

„Was in Dresden passiert, ist kein Einzelfall. In unserem gesamten Landesbezirk Nordost erleben wir, wie industrielle Strukturen wegbrechen“, erklärt Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin IGBCE Nordost. „GSK ist tarifgebunden – es gilt der Flächentarifvertrag der chemischen Industrie. Umso empörender ist, dass diese Entscheidung und die Art und Weise des Vorgehens nichts mit gelebter Sozialpartnerschaft zu tun haben.“

Die IGBCE fordert GSK auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat erwartet sie unverzüglich einen gemeinsamen Standortgipfel. 

Das Werk blickt auf eine lange Geschichte in Dresden zurück. Seine Wurzeln reichen bis zum Sächsischen Serumwerk, das Anfang des 20. Jahrhunderts auf Initiative des Dresdner Unternehmers Karl August Lingner entstand. Bis heute werden am Standort wichtige Medikamente hergestellt, auf die viele Menschen angewiesen sind.

Reaktionen aus der Politik  

„Die Ankündigung des Unternehmens kommt für uns überraschend“, erklärt Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter. „Sachsen hat sich seit dem Start der Biotechnologie-Offensive im Jahr 2000 zu einer der dynamischsten Biotechnologie-Regionen Deutschlands entwickelt. GlaxoSmithKline Biologicals Dresden ist ein Standort mit langer Tradition, ein wichtiger Akteur der Life-Sciences-Branche und hat wesentlich zu ihrer positiven Entwicklung im Freistaat beigetragen.“ Die Staatsregierung werde das Gespräch mit der Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern suchen, um die Gründe für die Entscheidung und mögliche Handlungsspielräume zu klären. „Oberste Priorität haben für uns die Arbeitsplätze, die Wertschöpfung und die Innovationskraft im Freistaat“, so Panter.

Die beiden Dresdner SPD-Landtagsabgeordneten Sophie Koch und Albrecht Pallas zeigten sich schockiert: „Wir erwarten, dass alle Ebenen alles in ihrer Macht Stehende tun und gemeinsam mit dem Unternehmen, dem Betriebsrat und den Beschäftigten nach Lösungen suchen. Es geht um rund 650 Arbeitsplätze, um die Zukunft der betroffenen Familien, um unsere Gesundheitsversorgung und um einen traditionsreichen Industriestandort unserer Stadt. Unser Ziel muss sein, die Produktion und die Arbeitsplätze in Dresden zu sichern.“

„Diese Nachricht ist ein schwerer Schlag für Dresden. Die angekündigte Schließung darf nicht das Ende der Debatte sein. GSK muss die Entscheidungsgrundlagen transparent machen und gemeinsam mit Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik ernsthaft nach Alternativen suchen“, fordert die die Dresdner SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert erklärte: „Ein Standort mit über 100-jähriger Tradition lässt sich nicht so einfach abwickeln. Für mich ist klar, dass wir um das Werk und für die Beschäftigten kämpfen werden. Dresden hat gerade in der Biotechnologie enormes Potenzial.“