- Martina Buchna, Rangerin im Nationalpark Bayerischer Wald, und Entwickler Dr. Stefan Kahl von der Professur Medieninformatik der TU Chemnitz zeigen die Tierstimmen-App „BirdNET Live“. Buchna hält einen Audiologger, der mehrere Tage im Wald Geräusche aufzeichnen kann. Mit solchen Geräten wurden Trainingsdaten für die App gesammelt.
Ganz ohne Netz! Diese App erkennt jeden Vogel
Wenn Sie nicht erkennen, wer da „Rääätsch! Rääätsch!“, „Zizizi-däh, zizizi-däh!“ oder „Zrrrrt-zrrrrt-tirili-tirili!“ ruft, hilft Ihnen künftig eine App weiter – und das sogar ganz ohne Internetverbindung.
Der Wald wird zum Tonstudio
Martina Buchna hält einen kleinen Audiologger in der Hand. Neben ihr steht Dr. Stefan Kahl von der Professur Medieninformatik der TU Chemnitz. Beide lächeln, als hätten sie gerade einem besonders seltenen Sänger beim Morgenkonzert gelauscht. Das Gerät kann tagelang im Wald hängen, Tierstimmen sammeln und damit wertvolle Trainingsdaten liefern. Genau solche Aufnahmen halfen dabei, „BirdNET Live“ flügge zu machen.
Forscher der TU Chemnitz entwickelten die Anwendung gemeinsam mit Kollegen der Universität Würzburg und Rangern des Nationalparks Bayerischer Wald. Ihr großer Vorteil: Die künstliche Intelligenz arbeitet direkt auf dem Smartphone. Funkloch im Wald? Kein Problem. Selbst im Hochgebirge oder im Regenwald bleibt die digitale Spürnase einsatzbereit.
Fast 10.000 Arten im Ohr
Weltweit sind rund 11.000 Vogelarten bekannt. „BirdNET Live“ erkennt derzeit 8.927 davon. Hinzu kommen die Laute von 268 Säugetieren, 254 Insekten und 340 Amphibien. Insgesamt kann die kostenlose App fast 10.000 Tierarten bestimmen. Die nächstbeste Offline-Anwendung schafft nach Angaben des Entwicklers etwa 2.300.
Doch die App ist mehr als ein elektronischer Bestimmungskasten. Sie speichert Aufnahmen mit Ort und Zeit, lässt Funde überprüfen, exportieren und mit Fachleuten teilen. Ranger können sie bei Kontrollgängen mitlaufen lassen. Studenten gewinnen Daten für Geländekurse oder Abschlussarbeiten. Und Hobby-Vogelfreunde? Sie schärfen spielerisch ihr Gehör. Wer hätte gedacht, dass Artenkenntnis so leicht in die Hosentasche passt?
Die Bedienung funktioniert derzeit in sieben Sprachen. Die Namen der erkannten Tiere zeigt die Anwendung sogar in 25 Sprachen an.
Ein starkes Werkzeug für den Naturschutz
„BirdNET Live“ entstand im DBU-geförderten Projekt „RangerSound“. Naturschutzbiologen, Ranger, Hardware-Spezialisten und KI-Fachleute arbeiteten dabei Hand in Hand. Das Ergebnis ist robust, praxisnah und weltweit einsetzbar.
Vielleicht hören Sie beim nächsten Waldspaziergang wieder dieses raue „Rääätsch!“. Dann wissen Sie: Der Eichelhäher meldet sich. Das „Zizizi-däh“ gehört zur Blaumeise, das erstaunlich kräftige „Zrrrrt-zrrrrt-tirili-tirili“ zum winzigen Zaunkönig. Und falls Sie doch einmal ins Grübeln geraten, sitzt der passende Übersetzer längst in Ihrer Tasche.
