- Die Hauptfeuerwache in Leipzig.
- In der Hauptwache: der Leipziger Branddirektionsleiter Axel Schuh.
„Das Trommelfell ist gerissen“ - Rakete explodierte unter Feuerwehrhelm
Wenn Axel Schuh, der Leiter der Branddirektion Leipzig, auf die Statistik schaut, sieht er normalerweise 30 bis 45 Einsätze pro Tag. Doch in der Silvesternacht herrschte Ausnahmezustand: 335 Einsätze in nur elf Stunden. Was den erfahrenen Feuerwehrchef jedoch weit mehr beunruhigt als die nackten Zahlen, ist die Qualität der Gewalt gegen seine Einsatzkräfte.
Wenn Retter zur Zielscheibe werden
Der dramatische Höhepunkt der Nacht ereignete sich bei einem vermeintlich harmlosen Kleinbrand. Während die Feuerwehrleute unter Polizeischutz versuchten, brennenden Sperrmüll zu löschen, schlug die Stimmung plötzlich um.
Axel Schuh schildert den Moment, der für einen seiner Kollegen fast im Desaster endete: Eine Rakete drang genau zwischen Schutzjacke und Helm ein und explodierte unmittelbar am Kopf des Feuerwehrmanns. „Das Trommelfell ist gerissen. Die Ärzte werden versuchen, das wieder herzustellen“, erklärt Schuh.
Nur der Reflex, sofort die Augen zu schließen, verhinderte Schlimmeres. Dass es sich dabei um ein Versehen handelte, glaubt der Behördenleiter nicht. Sobald die Löschmaßnahmen begannen, seien seine Leute massiv mit Böllern und Raketen beschossen worden. Schuh stellt klar: „Wir gehen hier von Vorsatz aus.“
„Man muss auch im Auto Angst haben“
Die psychologischen Folgen für die Truppe sind massiv. Die Sorge vor illegaler Pyrotechnik mit enormer Sprengkraft führte dazu, dass erfahrene Retter „Angst um ihr Leben“ hatten. Selbst Schuh, der in der Nacht im Auto unterwegs war, um verletzte Kollegen im Krankenhaus zu besuchen, spürte die Wucht der Straße: Druckwellen von Detonationen ließen selbst das Fahrzeug erzittern.
Angesichts dieser Zustände hinterfragt der Branddirektor das bisherige Konzept des privaten Feuerwerks. Er zieht den Vergleich zwischen organisierten Feiern wie am Brandenburger Tor und dem „wilden“ Böllern in Leipzig: „Da sind viele junge Menschen, die unter Alkoholeinfluss mit diesem Feuerwerk nicht gut umgehen und es missbrauchen.“
In engem Schulterschluss mit der Polizei und dem Ordnungsamt wolle man die Strategie grundlegend überdenken: „Wir werden uns auf jeden Fall anders aufstellen, damit unsere Einsatzkräfte besser geschützt werden.“

