++ EIL ++
  • Ulrike Wodners preisgekrönte Karikatur stellt eine Taube dar, die auf einen Panzer kackt.
  • Die Leipziger Künstlerin Ulrike Wodner in ihrem Kunstzimmer zuhause.

Leipzigerin wünscht sich mit ein bisschen Kacke Frieden

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Manchmal braucht es keine großen Worte, um die Welt zu erklären. Manchmal reicht ein Skizzenbuch, ein bisschen Mut und eine ordentliche Portion Druck im Darm. Die Leipziger Grafikerin und Karikaturistin Ulrike Wodner hat genau das bewiesen: Sie wurde am vergangenen Wochenende in Radeburg mit dem Heinrich-Zille-Karikaturenpreisausgezeichnet. Neben Ruhm und Ehre gab es für die Künstlerin ein Preisgeld von 1.000 Euro.

Wenn Humor die Welt zusammenfasst

Ulrike Wodner lebt seit dem Jahr 2000 in Leipzig und ist das, was man eine echte Beobachterin nennt. Ihr Skizzenbuch hat sie eigentlich immer dabei. „Ich zeichne, was ich sehe, was mich interessiert, was mich bewegt“, erzählt sie entspannt im Interview. Für sie sind Karikaturen weit mehr als nur lustige Bildchen. In einer Zeit, in der alles immer komplizierter wird, helfen sie dabei, den Durchblick zu behalten. „So eine Karikatur fasst meistens komplexe Sachen zusammen, die man heutzutage so schwer erfassen kann. Man kann das Thema mal von einer anderen Seite sehen“, so Wodner.

Ein „Urwunsch“ auf Papier gebannt

Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem krachenden Motto: „Jetzt kracht’s! Das Leben ist ein Pulverfass.“ Unter rund 500 Einsendungen stach Wodners Werk hervor – und das ganz ohne Text. Ihr Bild zeigt einen Panzer, über dem eine Friedenstaube mit einem Ölzweig fliegt. Doch statt nur brav zu gurren, lässt die Taube einen riesigen „Schiss“ direkt auf das Kriegsgerät fallen. Die Idee dahinter ist so simpel wie tiefgründig. Ulrike Wodner gibt zu, dass das Bild aus einer gewissen Traurigkeit über die aktuelle Weltlage entstanden ist. Sie hatte gehofft, dass wir aus der Geschichte gelernt hätten und Konflikte nur noch mit Diplomatie gelöst werden.

Fünf Minuten Skizze, eine Stunde Feinschliff

Wie lange braucht man für so ein preisgekröntes Werk? Die Antwort überrascht: Die eigentliche Zeichnung ging ratzfatz. „Das dauert vielleicht fünf Minuten, dann ist es da“, sagt Wodner. Doch der Weg dorthin ist der eigentliche Job. Die Gedanken müssen reifen, man muss beobachten und fühlen. Erst danach wird am Computer gefeilt, an den Farben gedreht und der perfekte Strich gesucht.

Dass der Preis ausgerechnet den Namen von Heinrich Zille trägt, freut die Leipzigerin besonders. Zille war für sie ein „cooler Typ“, der die Realität der Menschen genau eingefangen hat. Genau das will sie auch weiterhin tun: Am Rand der „Suppenschüssel“ sitzen, zuschauen und zeichnen. Mit dem Preisgeld in der Tasche und neuen Ideen im Kopf wird Ulrike Wodner sicher auch in Zukunft dafür sorgen, dass wir über die ernsten Themen der Welt zumindest ein kleines bisschen schmunzeln können.

Audio:

Im Interview erzählt Ulrike Wodner mehr über die Hintergründe ihrer Karikatur und der damit einhergehenden Auszeichnung.