- Gestatten, Agalychnis annae. 15 Orangeaugen-Laubfrösche leben jetzt im Tierpark Chemnitz.
Die neuen Orangeaugen-Laubfrösche haben viel zu quaken
Es nützt ja nichts. Man muss eben mit dem klarkommen, was der liebe Gott respektive die Natur einem so mitgegeben hat. Der Tierpark beheimatet einige Exemplare, die durchaus als speziell zu bezeichnen sind. Da ist Bob, der mürrische Manul-Kater oder Anatoli, der Anatolische Kamm-Molch, der sich bestens als Maskottchen für die Kulturhauptstadt geeignet hätte. Aber gegen die neuen Bewohner sind sie fast schon unspektakulär! Neue Bewohner? Genau! Seit kurzem leben 15 Orangeaugen-Laubfrösche im Chemnitzer Vivarium.
Angst und Schrecken
Orangeaugen-Laubfrösche! Was soll das, möchte man Herbert Grönemeyer nuscheln. Aber in der Natur steckt, hinter allem auf den ersten Blick noch so Unsinnigen, ein praktischer Nutzen. Bei Agalychnis annae, so nennen Zoologen die spezielle Froschart, die in Mittelamerika heimisch ist, verbreiten die Augen Angst und Schrecken. Und zwar unter all denen, die ihnen mit ihren gierigen Mäulern zu nahe kommen. Und das geht so. Wenn die laubgrünen Gesellen mit den bläulichen Leisten schläfrig sind, fallen ihnen die Augen zu. Doch ihr Instinkt lässt sie trotzdem wachsam sein. Nähert sich dann beispielsweise eine züngelnde Schlange, die sich das augenscheinlich zunächst harmlose Fröschlein einverleiben will, reißt es mit einem Mal die Augen auf - und die rotorangenen Glotzen jagen dem Fressfeind einen solch gehörigen Schreck ein, dass er meist Reißaus nimmt.
Die Taktik Mimikry
Mimikry nennen Experten diese Masche. Ungefährliche Tierchen geben sich mit Farben, Formen oder Tönen so, als seien sie ein echtes Biest, dem man besser nicht zu nahe kommen sollte.
Klappt auch bei den Orangeaugen-Laubfröschen, die aber trotzdem vom Aussterben bedroht sind. Ein fieser Chytridpilz hat fast die gesamte Population in Mittelamerika ausgelöscht.
Die 15 Exemplare sollen jetzt im Chemnitzer Tierpark für Nachwuchs sorgen.
Das abenteuerliche Schicksal
Das Schicksal dieser Amphibien ist abenteuerlich. Wenn sie es den neuen Mitbewohnern im Vivarium hinquaken, werden die auch große - wenn auch nicht orangefarbige - Augen machen.
Mutti und Vati Orangeaugen-Laubfrosch waren in einer lebensbedrohlichen Situation ganz am Anfang ihres quakvollen Lebens. Gefangen waren sie, womöglich in einer engen Plastiktüte voll muffigen Wassers. Vielleicht auch in einem schnöden Glas. Ein nasses Gefängnis, in dem sie noch als Kaulquappen schwammen. Versteckt in einer Tasche, einem Koffer, einem Karton? Genau ist das nicht überliefert. Man weiß nur, dass die Tierchen, als sie die winzigen Kaulquappenaugen öffneten, als erstes Uniformen sahen und Hände, die nach ihnen griffen. Das war vor Jahren im Flughafen Zürich, als Zöllner die Tierchen gemeinen Schmugglern entrissen und in den städtischen Zoo brachten. Dort verwandelten sich die Kaulquappen peu à peu zu prächtigen Fröschen, die ihrerseits wieder Kinder bekamen. Grün, mit blauen Leisten und den einmaligen orangen Augen. 15 von denen quaken jetzt im Chemnitzer Tierpark - und sollen die Art am Leben erhalten.
Sachlicher Auftrag
Oder, um es sachlich zu sagen: Heute existieren in Mittelamerika nur noch wenige, stark gefährdete Restbestände. Angesichts dieser Situation ist der Aufbau einer Reservepopulation in unserem Tierpark von zentraler Bedeutung. Ziel ist es, die Art langfristig abzusichern und perspektivisch auch Maßnahmen zur Wiederansiedlung zu ermöglichen.
