- Zur Zeit besteht der Chor aus 60 Mitgliedern- manche mehr und manche weniger aktiv. Offen für neue Mitglieder sind sie deswegen immer!
150 Jahre Leipziger Lehrerchor: Warum hier längst nicht nur Lehrer singen
150 Jahre gemeinsam singen – der Leipziger Lehrerchor gehört zu den traditionsreichsten Laienchören der Stadt. Was viele beim Namen allerdings nicht erwarten: Lehrerinnen und Lehrer sind heute längst nicht mehr die einzigen, die mitsingen.
„Der Chor ist für uns viel mehr als nur gemeinsam Singen.“
„Es ist eine Gemeinschaft!“, sagt uns die Vorsitzende Kerstin Holzschuh am Dienstagabend. Denn da heißt es für die rund 60 Sängerinnen und Sänger des Leipziger Lehrerchors: Probe. Hier treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander – verbunden vor allem durch die Freude am gemeinsamen Singen.
Doch Chorgesang ist für die Mitglieder offenbar mehr als nur ein Hobby. Gerade in einer Zeit, in der mentale Gesundheit immer stärker in den Mittelpunkt rückt, kann gemeinsames Musizieren auch ein wichtiger Ausgleich zum Alltag sein.
„Man merkt richtig, wie fröhlich alle nach den Proben nach Hause gehen – und das nur, weil wir gemeinsam singen“, erzählt Holzschuh grinsend.
Beim Singen geht es dabei nicht nur um die Musik. Gemeinsam mit anderen zu proben, aufeinander zu hören und am Ende einen gemeinsamen Klang zu schaffen, bringt Menschen zusammen. Der Chor wird damit auch zu einem festen sozialen Treffpunkt.
„Auch während der Corona Pandemie wurde das nicht aufgegeben, auch wenn da das Singen eher in den Hintergrund rückte. Wir haben uns online getroffen und manchmal einfach nur geredet, so dass sich keiner alleine fühlen musste. Sobald es dann möglich war, haben wir uns in den Vorgärten oder Kleingärten der Mitglieder getroffen und auch wieder gemeinsam gesungen!“, schwelgt Holzschuh in Erinnerung.
Vom Lehrerchor zum offenen Laienchor
Der Name des Chores erzählt dabei von seinen Anfängen. 1876 gründeten elf musikbegeisterte Männer den Leipziger Lehrergesangsverein. Schon elf Jahre später war der Chor auf 137 aktive Sänger angewachsen und trat erstmals bei einem Gewandhauskonzert auf. Unter bekannten musikalischen Leitern wie Hans Sitt und dem späteren Thomaskantor Günther Ramin entwickelte sich der Chor weiter und ging auch auf Konzertreisen.
Die Geschichte des Ensembles war allerdings nicht immer geradlinig. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand zunächst ein Frauenchor, der sich 1953 zu einem gemischten Chor entwickelte. Später öffnete sich der Chor auch für Menschen aus anderen Berufsgruppen. Heute ist aus dem ursprünglichen Lehrergesangsverein ein gemischter Laienchor geworden.
Seit 2007 steht Kristian Sørensen an der künstlerischen Spitze. Unter seiner Leitung blieb der Chor seinem traditionellen Repertoire verbunden, nahm aber auch neue musikalische Einflüsse auf – unter anderem aus Skandinavien.
Dabei geht es dem Chor nicht nur darum, selbst auf der Bühne zu stehen. Mit dem Projekt „Old trifft School – Gemeinsam musizieren“ wurden beispielsweise Chöre und Ensembles aus Leipziger Gymnasien zu gemeinsamen Konzerten eingeladen. So treffen erfahrene Sänger auf junge Musiker.
Auch internationale Kontakte gehören inzwischen dazu. Zuletzt entstand eine Verbindung zum dänischen Storekor Odense. 2025 gab es gemeinsame Konzerte in Goseck und Leipzig, ein Gegenbesuch ist für 2027 geplant. „Es ist für mich persönlich immer ein Highlight und sehr emotional, wenn beide Chöre miteinander singen“ - so Holzschuh.
Neue Stimmen sind immer willkommen
Bei aller Tradition soll der Chor aber nicht stehen bleiben. Neue Stimmen werden deshalb immer gesucht. Wer Freude am Singen hat, muss dafür weder Lehrer sein noch eine bestimmte berufliche Verbindung zur Schule haben. Entscheidend ist die Lust auf gemeinsames Musizieren.
150 Jahre - die werden gefeiert
Und wer den Chor erstmal live erleben möchte, bekommt dazu am Freitag eine gute Gelegenheit: Zum 150-jährigen Bestehen gibt es am 2. Oktober ab 17.30 Uhr ein Festkonzert in der Alten Börse am Naschmarkt. Auf dem Programm stehen unter anderem Mendelssohn Bartholdys 42. Psalm sowie Lieder und Chorsätze aus verschiedenen Jahrzehnten der Chorgeschichte. Mit dabei sind außerdem Sopranistin Alba Vilar, Pianistin Angelika Scheer und das Seume-Quartett.
