Spaß- und Erfolgsgarant: Nkunku ist und bleibt ein RB-Antreiber

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Die Entwicklung von Christopher Nkunku zu einem Top-Star des Weltfußballs verläuft rasant und doch nicht unerwartet. Der Franzose bringt alles mit, was man braucht: Talent, Fleiß, Willen. Und er behält einen klaren Kopf und bleibt bescheiden.

Ein Ausruhen oder Lockerlassen gibt es für Christopher Nkunku nicht. Im Trainingslager von RB Leipzig im österreichischen Aigen in der Steiermark missachtete der Franzose am Mittwoch zunächst dezent die Anweisung von Trainer Domenico Tedesco zur Erholung. Im Fitness-Zelt neben dem Übungsplatz des ATV Irdning hatte er eine kleine Extraschicht eingelegt. Später dann schonte er an der Tischtennisplatte weder sich noch die "French-Connection" um Nordi Mukiele, Mohamed Simakan und den früheren Monaco-Spieler Benjamin Henrichs. Mit Spaß und Leidenschaft rang Nkunku alle nieder.

Und das soll noch länger so sein. Halb Europa war bis vor Kurzem hinter ihm her. "Ich habe ganz bewusst verlängert und habe nicht vor, den Verein kommenden Sommer zu verlassen", sagte der Franzose am Donnerstag im Schlosshotel Pichlarn. Dass Nkunku in der Sommerpause mit seiner Unterschrift sämtliche Spekulationen über einen Wechsel zu einem der Topklubs Europs beendet hat, gehörte zu den größeren Überraschungen auf dem Transfermarkt. Und auch die Aussage des 24 Jahre alte Offensivspielers am Donnerstag, dass die Verlängerung seines Arbeitspapiers bis 2026 nicht doch darauf hinauslaufe, den Bundesligisten kommenden Sommer mit Hilfe einer Ausstiegsklausel beziehungsweise einer Handschlagsvereinbarung zu verlassen.

Der agile Rechtsfuß war vergangene Spielzeit die überragende Figur im Team von RB Leipzig, mit dessen Hilfe der Bundesligist aus Sachsen Vierter der Meisterschaft wurde, das Halbfinale der Europa League erreichte und den DFB-Pokal gewann. 32 Tore und 20 Vorlagen in 52 Pflichtspielen steuerte Nkunku dazu bei.

Im Anschluss wählten ihn die Kollegen aus der Liga zum besten Spieler der Saison. Das Votum ehre ihn, sagte Nkunku im Teamhotel, ordnete seine Bedeutung aber in typischer Manier ein. "Fußball ist in erster Linie ein Mannschaftssport. Ich kann solche Titel nicht allein gewinnen, deshalb teile ich ihn mit meinem Team."

Diese Demut ist ein Markenzeichen des sechsmaligen französischen Nationalspielers, der sich trotz seiner imposanten Entwicklung kaum verändert hat, seit er im Sommer vor drei Jahren erstmals der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ein für 13 Millionen Euro von Paris Saint-Germain losgeeistes Talent, den außerhalb der französischen Ligue 1 kaum jemand kannte: zurückhaltend, bescheiden, aber mit klarem Fokus auf seine Entwicklung.

Nkunku begrüßt die Mitarbeiter des Clubs tagtäglich mit Handschlag. Er schreibt weiterhin Autogramme, so wie am Donnerstag für jeden aus Leipzig angereisten Fan. Ansonsten treibt er mit dem notwendigen Ernst seine Karriere voran, und wenn das bedeutet, dass er an eigentlich freien Tagen wie dem am Vortag trotzdem trainiert.

Ansonsten hält er sich vom Rampenlicht fern, formuliert in den wenigen Interviews aber klare, ambitionierte Ziele. "Wir haben hier noch Aufgaben zu erledigen. Wir haben mit dem Pokalsieg schon viel erreicht. Doch wir wollen mehr!", sagte Nkunku mit Blick auf das Team. Und auch selbst sieht er noch Steigerungsmöglichkeiten: "Ich habe eine gute Saison gespielt, aber das war auf diesem Niveau meine erste. Das will ich wiederholen."

Ob Nkunku tatsächlich über den kommenden Sommer hinaus bleibt, ist dennoch offen. Mit einer erfolgreichen WM in Katar im Winter und einer weiteren Saison mit RB in der Bundesliga könnte er neue Begehrlichkeiten wecken, die das Ende seiner Zeit in Leipzig einläuten. Bis dahin aber genießen alle Seiten die Aussicht auf mindestens eine weitere Spielzeit zusammen. So sagte Trainer Tedesco stellvertretend am Mittwoch: "Das ist ein Signal." Christopher Nkunku sei für RB so wichtig wie bislang "für die Bayern Robert Lewandowski." Auch Abwehrchef Willi Orban freut sich darüber, weiterhin mit einem der begehrtesten Spieler Europas zusammen zu spielen. "Es ist wichtig für uns, dass er verlängert hat. Nicht nur sportlich, sondern weil er auch als Typ überragend ist."