• Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht mit einem Gegner der Corona-Maßnahmen. Unter Kontrolle der Polizei demonstrieren Gegner wie Befürworter der aktuellen Regelungen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Pandemie. Foto: Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild

    Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht mit einem Gegner der Corona-Maßnahmen. Unter Kontrolle der Polizei demonstrieren Gegner wie Befürworter der aktuellen Regelungen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Pandemie. Foto: Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild

Demonstration in Pirna - Ministerpräsident mit Mundschutz

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Rund 300 Menschen haben am Mittwochabend in Pirna für ein friedliches Miteinander in der Corona-Krise demonstriert. Die Stadt in der Sächsischen Schweiz war in den vergangenen Wochen immer wieder Schauplatz von Protesten gegen Einschränkungen in der Pandemie. Am vergangenen Mittwoch wurde bei Ausschreitungen ein Polizist leicht verletzt. Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) hatte die Bürger deshalb aufgerufen, unter dem Motto «Gemeinsam aus der Krise - für Pirnas Zukunft» ein Zeichen zu setzen.

Auch Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) war nach Pirna gekommen. Anders als am vergangenen Samstag, wo der Regierungschef in Dresden das Gespräch mit Gegnern und Kritikern der Corona-Beschränkungen gesucht hatte, trug er diesmal konsequent einen Mundschutz. Kretschmer hatte für seine Auftritte viel Zuspruch erhalten, aber auch Kritik wegen der fehlenden Mund- und Nasenbedeckung. «Die Kritik ist berechtigt. Ich würde es heute anders machen», sagte er in Pirna. Anfangs habe er in Dresden ordentlich Abstand halten können. Als es enger wurde, hätte er die Maske aber aufsetzen müssen.

Dennoch bekräftigte Kretschmer seine Haltung, in der Krise auch mit Kritikern der Corona-Beschränkungen zu reden. Man müsse mit ihnen im Gespräch bleiben und trennen zwischen denen, die nur Stimmung machen wollen und denen, die ernsthaft diskutieren und Kritik anbringen. «Bei Gewalt endet die Diskussion.» Das sei aber eine kleine Minderheit. Deswegen sei es richtig, dass sich viele andere zu Wort meldeten.

Kretschmer wurde mit Beifall, aber auch mit Pfiffen auf dem Marktplatz begrüßt. Eine Ansprache hielt er nicht, sprach aber später mit vielen Bürgern bei einem Spaziergang durch die Stadt. Im Anschluss stellte er sich auf dem Marktplatz noch Fragen der Einwohner, darunter Hoteliers und Gastronomen. Es gebe jetzt die Chance, dass nach einer schwierigen Zeit wieder Gäste in die Region kommen, sagte Kretschmer: «Die wollen ein freundliches Land sehen.»

Oberbürgermeister Hanke hatte die Anwesenden zu Beginn geradezu beschwörend um eine angemessene Gesprächskultur gebeten: «Ich möchte, dass unsere Stadtgesellschaft miteinander ins Gespräch kommt.» Er wolle einen Neustart wagen, dass der gemeinsame Dialog in friedlicher Form wieder vorurteilsfrei stattfindet. Keiner wolle die Bilder der vergangen Tage mehr sehen, bei denen Beschimpfungen und Aggressionen eine Rolle spielten.

«Ich möchte, dass von unserem Pirna das Signal ausgeht, dass die Menschen im normal üblichen Umgangston und auf Augenhöhe miteinander ihre eigenen Standpunkte austauschen können.». Man müsse die Diskussion mit Anstand und Würde führen. Dazu gehöre auch das gegenseitige Zuhören, was sich nicht mit einem gegenseitigen Anbrüllen vertrage. Pirna habe schon viele Krisen gemeistert, sagte Hanke und erinnerte an die Elbe-Hochwasser der vergangenen Jahre, die die Innenstand komplett unter Wasser setzten. Und jedes Mal sei Pirna schöner wieder aufgetaucht.

Die Polizei zog am Abend ein positives Fazit. Die Versammlung und der Spaziergang seien störungsfrei verlaufen. Allerdings stellten Beamte auch zwei Männer fest, die im Verdacht stehen, sich an den Ausschreitungen am 13. Mai beteiligt zu haben. Die Polizei nahm ihre Personalien auf. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hatte dafür 30 Hooligans verantwortlich gemacht. Bei der friedlichen Demonstration am Mittwoch waren laut Polizei etwa 250 Beamte im Einsatz.