Debakel in Darmstadt - Erzgebirge Aue steigt ab

Zuletzt aktualisiert:

Erzgebirge Aue ist aus der 2. Fußball-Bundesliga abgestiegen. Die Veilchen verspielten am 32. Spieltag die letzte Minichance auf die Relegation. Die Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev kassierte beim Aufstiegsaspiranten SV Darmstadt eine 0:6 (0:4) Klatsche. Ab der 15. Minute fiel Aue regelrecht auseinander. Die Darmstädter erzielten innerhalb von 163 Sekunden und ebneten damit den Weg zum verdienten Heimsieg.

Für den FC Erzgebirge ist der dritte Abstieg nach 2008 und 2015. Ob die sofortige Rückkehr wie vor sechs Jahren mit dem damaligen Coach Dotchev gelingt, ist mehr als fraglich.

Der gebürtige Bulgare steht als Trainer nicht mehr zur Verfügung, soll wieder nur Sportdirektor sein. Die Trainersuche läuft offiziell noch. Hinter den Kulissen sickerte aber bereits durch, dass Timo Rost, derzeit noch bei Bayernliga-Spitzenreiter Bayreuth verantwortlich, die Auer Geschicke übernehmen soll.

Der Wiederaufstieg ist auch diesmal das Ziel. «Man hat als Absteiger im ersten Jahr noch einen kleinen Vorteil, geht mit einem siebenstelligen Sockelbetrag ins Rennen, ist noch automatisch in der ersten Runde des DFB-Pokals dabei», sagte Aues Geschäftsführer Michael Voigt. Doch die Realität sieht anders aus.

Das zeigen auch die Erfahrungen beim 1. FC Magdeburg, der nach seinem Zweitliga-Abstieg 2019 zwischenzeitlich bis in Liga vier drohte abzurutschen. Erst mit kluger Planung dank Sportchef Otmar Schork und Cheftrainer Christian Titz gelang nun die Rückkehr ins Unterhaus.

Kluge und langfristige Planungen waren auch im Erzgebirge immer ein Erfolgsgarant. Doch in den vergangenen fünf Jahren gaben sich im Lößnitztal seit der Entlassung von Dotchev im Februar 2017 sieben Cheftrainer die Klinke in die Hand, ehe der Sportdirektor im Februar selbst wieder die Regie von Marc Hensel übernahm. Nach nur drei Monaten Amtszeit von Domenico Tedesco im Frühjahr 2017 war Dirk Schuster (August 2019 bis Mai 2021) noch die beständigste Personalie.

Zudem misslang der geplante fußballerische Umbruch zu Saisonbeginn mit dem ehemaligen Jugendtrainer von RB Leipzig, Aljaksej Schpileuski, vollends. «Ich habe selbst an das Projekt geglaubt, aber so ist es nicht umsetzbar», sagte Präsident Helge Leonhardt und entließ den Coach im September 2021 nach sieben sieglosen Spielen und dem 1:4 gegen Paderborn. Der Vertrag war bis 2024 datiert.

Den Vorwurf einer diesmal verfehlten Kaderplanung muss Leonhardt sich gefallen lassen, der mit seinem Zwillingsbruder Uwe einst für die Konstante des Vereins in Liga zwei stand und den Branchen-Zwerg jahrelang mit einem Mini-Etat im Unterhaus etablierte. Doch die Personalpolitik war zuletzt nicht zweitligareif.

Auch weil lange Zeit ein Sportdirektor fehlte. So suchten einige Trainer freiwillig das Weite. Zumal die Tür der Leonhardts für die jammernden Aue-Profis immer offen stand. Beschwerden waren nicht selten, das Eingreifen der Brüder in Trainingsplanungen und Personalentscheidungen hatte keine Seltenheit. Andererseits stehen die Selfmade-Millionäre, die das Erzgebirgsstadion zu einem Schmuckstück ausbauen ließen, für planerische Sicherheit in einer infrastrukturell schwachen Region, wo Zweitliga-Fußball keine Selbstverständlichkeit ist.

So kann Voigt, der seit 2011 für die Zahlen bei den Veilchen verantwortlich ist, für die 3. Liga mit einem Etat von 11 Millionen Euro planen. Man bekomme in der Drittklassigkeit sieben Millionen Euro weniger an Fernsehgeld. Es gibt aber auch positive Nachrichten. Der Abstieg «kostet keinen Mitarbeiter den Job. Wir haben eh schon die kleinste Geschäftsstelle aller Bundesligisten. Mit allen Personen, die jetzt da sind, planen wir definitiv weiter». Die Corona-Pandemie habe ein großes Loch gerissen, den Umsatzverlust bezifferte Voigt in dieser Saison auf etwa zwei Millionen Euro. (mit dpa)